Freitag, den 27. Juni 2008 um 06:39 Uhr
„Dann komm ich mir vor, wie ein Ferrari!“
Interview der Klasse 4b mit Triathlet Florian Greckl
Im Rahmen der Medienwoche an der Grundschule St. Wolfgang haben Schüler der Klasse 4b am Mittwoch den Triathleten Florian Greckl aus Haag interviewt. Dabei stellten sie dem Profisportler folgende Fragen: Wie alt sind Sie, Herr Greckl?
FG: Ich werde dieses Jahr 30.
Mit wie vielen Jahren haben Sie angefangen zu trainieren?
FG: Mit 18 Jahren habe ich angefangen zu laufen.
Im Jahr 1998 habe ich mich dann die ersten
Wettkämpfe bezwungen.
Wie viel Kilogramm wiegen Sie?FG: Zur Zeit wiege ich 71 kg.
Wie oft und wie lange trainieren Sie?
FG: Meistens habe ich drei Trainingseinheiten pro Tag mit bis zu 5 Stunden.
Haben Sie einen Trainer?
FG: Ich habe einen Profitrainer namens Beni Lindberg aus Roth.
Können Sie uns Ihre Trainingtipps verraten?FG: Für den Einstieg ist es besser spielerisch anzufangen, damit es auch
Spaß macht. Ich selbst habe sehr spät mit dem Triathlon angefangen. Doch in euerem Alter wäre der Einsieg genau richtig.
Was war Ihre lustigste Panne?
FG: Im Wettkampf hatte ich zum Glück noch keine Pannen. Doch im Training ist es mir schon passiert, dass die Flasche nicht gefüllt war. Im Training sind solche Pannen oft gar nicht mehr so lustig. Ganz heftig war es im Trainingslager am Gardasee: Es hatte 5 Grad und unsere ganze Truppe war durchnässt. An diesem Tag stand jedoch eine 200 Kilometer lange Radrunde an. Als wir schon 100 Kilometer von unserem Quartier entfernt waren, bemerkten wir, dass wir alle nur noch einen einzigen € dabei hatten. Dieser reichte dann gerade noch für einen Cappuccino für alle.
Welche der drei Sportarten beherrschen Sie am besten?
FG: Meine Lieblingsdisziplin ist Laufen - Schwimmen habe ich in der Regel nicht so gerne.
Wie lange können Sie durchlaufen?
FG: Das ist abhängig von der Geschwindigkeit. bei lockerem Tempo schaffe ich so 100 km am Stück.
Waren Sie gut in der Schule?
FG: Nein. Eine ganz kurze Antwort.
Was ist Ihre Lieblingsnascherei?FG: In der Regel Schokolade. Leider esse ich gerade jetzt kurz vor dem „Ironman“ in Frankfurt viel Schokolade.
Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
FG: Ausruhen! Entweder bei meinen Eltern oder meiner Schwester – und nicht an das Training denken.
Wie ist eigentlich die Disziplin „Triathlon“ entstanden?
FG: In meinem Geburtsjahr 1978 ist Triathlon entstanden. Zu diesem Zeitpunkt stritten sich drei Marineoffiziere, wer der beste Sportler sei. Es war ein Radler, ein Schwimmer und ein Läufer unter ihnen. Da gab ihnen jemand den Tipp alle drei Disziplinen zusammen zu legen. Beim ersten „Ironman“ waren es nur 10 Teilnehmer. Doch schon ein oder zwei Jahre später meldeten sich bereits 100 Teilnehmer. Im Jahre 1983 war Detlef Kühnel der erste Deutsche beim Ironman dabei und hat dadurch das Rennen mit nach Deutschland genommen Doch die WM findet immer in Hawaii statt.
Wie läuft eigentlich so ein Triathlon ab?
FG: Als erste Disziplin findet immer Schwimmen (3,8 km) statt, dann Radfahren (180 km) und am Ende wird gelaufen (49 km 195 m).Bei der Schwimmstrecke von 3,8 km ist man zwischen 50 Minuten und einer Stunde im Wasser. Beim nächsten Ironman in Frankfurt am 6 Juli schwimme ich mit einem Neoprenanzug. Dieser bietet auch einen Sicherheitsfaktor: Denn damit kann man nicht untergehen. Zwischen den einzelnen Disziplinen stehen die Wechselzone. Das ist schon fast die 4. Disziplin! Unter meinem Neoprenanzug habe ich bereits meinen Radanzug an. Wir tragen Spezialkleidung, die sehr schnell trocknet. Nach nur fünf Radkilometern bin ich wieder komplett trocken. Wenn ich von der ersten Disziplin aus dem Wasser komme, sollte ich keine Sekunden verlieren! Der Wechsel der Kleidung W (Neoprenanzug runter) dauert eine halbe Minute. Im Idealfall bin ich in 20 Sekunden auf Rad! Da geht`s um jede Sekunde! Der Helm liegt im Prinzip mit der Sonnenbrille auf dem Lenker. Der Helm liegt beim Fahren auf dem Rücken auf, damit alles windschnittig ist. Die Schuhe sind meist schon eingeklickt – man läuft los und unterm Radeln macht man Schlaufen am Schuh zu und los geht`s! Nach dem Radfahren bekommt man von Helfern seinen Wechselbeutel:
Was die längste Strecke, die Sie gelaufen sind?
FG: Bis jetzt die Marathondistanz (42 km 195 m). Letztes Jahr lief ich diese Distanz in 3 Stunden und 2 Minuten und erreicht damit die zehntschnellste Laufzeit von 2300 Teilnehmern. Lange Strecken läuft man kontrolliert und langsamer – im Gegensatz zu einem Sprint auf 50m.
Welche Durchschnittsgeschwindigkeit laufen Sie auf der Marathon-Distanz?FG: Durchschnittlich ungefähr 16 km/h.
Was war die beste Platzierung, welche sie im Laufe ihrer Karriere erreicht haben?
FG: Beim letzten Ironman in Frankfurt kam ich als 11 in das Ziel.
Werden Sie gesponsert?
FG: Ja, ich werde von zwei größeren Firmen gesponsort: Erdinger alkohlfrei und PowerBar. Außerdem sponsern mich noch kleinere Firmen, zu denen ich einen persönlichen Bezug habe. Denn man muss erst einmal eine hochprofessionelle Leistung bringen, um große Sponsoren zu finden.
Was isst man während einem Lauf beim „Ironman“?
FG: Am besten nimmt man dabei Nahrung zu sich, die ganz schnell ins Blut geht. Zum Beispiel: Riegel. Denn je kurzkettiger die Kohlenhydrate sind, umso schneller gelangen sie ins Blut.
Warum ist ihr Fahrrad so groß?
FG: Vor fünf Wochen habe ich erst ein neues Fahrrad bekommen. Es ist millimetergenau ganz auf mich abgestimmt und so auch auf meine Körpergröße. Während eines Rennens nimmt man die aerodynamischste Haltung ein und legt sich fast auf das Rad. Dieses Fahrrad kostet ungefähr 8000€ da es aus Carbon besteht. Dieses Rad hat auch hohe Felgen. Wenn der Wind von vorne kommt, schneidet die Felge wie ein Messer durch den Wind, da sie weniger Angriffsfläche bieten als normale Felgen. Ich bin Profi und brauche daher Top-Material. Aber von dem Gehabe um den Triathlon halte ich nichts.
Wie viele neue Reifen benötigen Sie in einem Jahr?
FG: Im Jahr fahre ich ungefähr fünf bis sechs Reifen kaputt.
Welche Spitzengeschwindigkeit erreichten Sie schon einmal mit ihrem Rad?
FG: Das Schnellste war einmal bergab mit 92 km/h mit meinem Trainingsmountainbike. Aber ich fahre nie ohne Helm. Manchmal komme ich mir vor wie ein Ferrari – nur man lässt die PS nicht immer raus! Nur wenn man sollte!!!
Wie viele Profis gibt es beim Triathlon?
FG: Insgesamt gibt es 19 Profis. Ich trage beim nächsten Ironman in
Frankfurt die Startnummer 8. Die habe ich mir durch das gute Abschneiden beim letzten Ironman erlaufen.
Wann kommt der härteste Punkt bei einem Triathlon?
FG: Der härteste Punkt beim Ironman ist der Marathon, die letzt Disziplin. Doch eigentlich ist jede der drei Disziplinen im letzten Drittel äußerst hart. Man stirbt dann tausend Tode! Beim Schwimmen tut es bereits nach 500 Meter erstmals so richtig weh, weil man muskulär so platt ist. Beim Radeln genauso: Wenn man beim letzen Drittel ist, ist man einfach froh, wenn man zum Laufen kommt. Und zum Schluss kommen die großen Schmerzen – die Scheuerstellen im Schuh
Welche Gedanken kommen Ihnen während eines solchen Wettkampfes?
FG: Vor zwei Wochen bin ich während eines Wettkampfes ausgestiegen. Im Nachhinein tut das im Kopf nicht gut. Wenn du dann beim Ironman ausscheidest, stehst du kurz danach unter Dusche und fragst dich: Habe ich jetzt für DAS ein Jahr lang trainiert? Mein Hauptziel beim Ironman war immer das Durchkommen – mittlerweile geht es um Superplatzierungen. Mein Traum für Frankfurt wäre, unter die Top-Ten zu gelangen. Beim Training ist es wichtig nur die positiven Einheiten abzuspeichern und zu denken: „Jetzt bin ich bereit für Frankfurt!!!
Wie lange trainieren Sie schon für den „Ironman“ am 6. Juli?
FG: Ich trainiere schon seit November letzen Jahres. Wie oft haben Sie schon bei einem „Ironman“ teilgenommen?FG: Ich bin jetzt schon das achte Mal dabei!
Welches Tier ist ihr Lieblingstier?
FG: Eigentlich habe ich keine Haustiere. Aber mein Lieblingstier ist die Katze – weil sie sehr selbständig ist. Ich komme von einem Bauernhof und bin daher mit vielen Katzen aufgewachsen.
Welches Lieblingsgericht haben Sie?
FG: Am liebsten mag ich italienische Gerichte, wie Pizza. Aus sportlicher
Sicht sollten es jedoch immer Nudeln sein. Bis zu 70 % ernähre ich mich von Nudeln. Welche Wünsche und Träume haben Sie, Herr Greckl für die Zukunft?FG: Am wichtigsten ist es mir, gesund zu bleiben. Das wünsche ich mir auch für meine Angehörigen. Außerdem möchte ich immer, dass ich zufrieden bin und meinen sportlichen Bereich gut erfülle. Aber es gibt nichts Schöneres als sein Hobby zum Beruf zu machen. Und diesen Traum habe ich mir erfüllt.
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