Teleshopping

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 Fernsehen bildet. Und ist schlecht für eine Ehe. Neulich kam ein Bericht über diese Milben in Matratzen – seitdem schlafe ich (zum Verdruß meines Mannes) nur noch im täglich gewaschenen Jogginganzug. Eine Werbesendung im Teleshop-Kanal über den „H2O“-Dampf-Reiniger kommt wie gerufen:  DER knallharte Milben-Killer! Ein putzbegeisterter Mann erklärt uns, dieses Wunder könne auch Polstermöbel von unangenehmen Gerüchen befreien (... stellt sich die Frage,  woher ein Polstermöbel unangenehme Gerüche bekommt!? Bleibt ja nicht viel Gedankenspielraum, wenn man bedenkt, daß man eben hauptsächlich darauf sitzt....), ebenso reinigt und desinfiziert es jeden Boden „spielend und im Handumdrehen“ - nur mit Wasser. Klingt ja nicht schlecht! Demonstrativ schwingt der nette Herr den H2O elegant und mit Leichtigkeit vor der Kamera... Nicht wirklich wichtig, aber zu erwähnen wäre noch das „wertvolle Überraschungsgeschenk“, das für den Gesamtpreis von 99,90 Euro mitgeschickt wird. (Als Tipp am Rande für manchen männlichen Leser: wäre doch eine nette Idee fürs nächste Weihnachtsfest...!J) Am Telefon erklärt mir eine freundliche Dame, ohne Kreditkarte wäre nur der Kauf per Nachnahme gegen Gebühr möglich (davon hat der putzwütige Herr der Sendung kein Wort verlauten lassen!) und der Filter des Gerätes hält nur rund 8 Monate (auch diese Kleinigkeit hat der zunehmend denkwürdige Herr wohl vergessen zu erwähnen), weswegen ein Sonderangebot – fünf Extrafilter – zum Sonderpreis von nur 30 Euro - mitgeschickt werden kann. Nein danke! (Habe zwei Filter zu 14.95 Euro mitbestellt. Dabei war Mathe mein Lieblingsfach!) Kaum zwei Tage später kommt die Ausgeburt der Sauberkeit – für schlappe 151,50 Euro per Nachnahme!!

Ich bin geschockt. Und pleite!  Beim Auspacken fällt mir ein elektrischer Staubwedel entgegen. In neongrün, Original aus USA. Das Überraschungsgeschenk. Der Fluns am Stiel dreht sich rasant schnell um sich selbst (dank acht von mir eingesetzten Batterien!!), der aufgenommene Staub wird daraufhin äußerst gleichmäßig im gesamten Umfeld verteilt. (Schön, aber diesen Job erledigt täglich und absolut zuverlässig mein Hund!) Ich lasse den Turboverdrecker links liegen und packe gespannt weiter aus.Kaum 5 Kartons später (in Worten: fünf!!!) hieve ich meinen Bakteritzenzerstörer per Kraftakt mit beiden Händen aus der Tiefe. Während ich bedenke, wie mühelos der charmante, zunehmend suspekte Herr im Fernsehen das Teil über den Boden schweben ließ, melden sich leise die ersten Zweifel.  Die Gebrauchsanweisung erscheint mir etwas dürftig: „Wassertank füllen, einstecken und anschalten“. Aha. Sehr aufschlußreich!  Zunächst teste ich das Gerät auf meinem hölzernen Küchenboden. Laut der wortkargen Gebrauchsanweisung kein Problem. „Zur Desinfektion Gerät zwischen 8 und 15 Sekunden auf einer Stelle belassen!“ Es röhrt, röchelt und beginnt zu dampfen. Entsetzt beobachte ich, wie dieser Miniwassertank mit nur 400 ml meine Küche partiell binnen Sekunden unter Wasser setzt ... und schalte das Gerät schnell wieder ab. (Während ich den guten, alten HARA-Wischer zur Schadensbegrenzung hole, werden meine leisen Zweifel lauter...!)

Neuerliches Fahnden nach weiteren Gebrauchs-Hinweisen ist nicht mit Erfolg gekrönt. Doch angesichts der angestrebten Milbenvernichtung wage ich mich zum zweiten Anlauf ins Bad.  Röcheln, röhren, dampfen... diesmal bin ich klüger und zerre das schwere Gerät mit rekordverdächtiger Muskelkraft entschlossen in Windeseile über die Fliesen. Von unerwarteter sportlicher Hochleistung restlos erschöpft, röchle ich mich meinem Dampfer um die Wette! Immerhin: der Boden glänzt vor Sauberkeit. Naja. Der Glanz könnte auch vom Wasser kommen! Während sich mein Puls langsam beruhigt, grüble ich und stelle mich den Tatsachen: das Abdampfen meiner Matratze bzw. der Milben gestaltet sich unter diesen Umständen vielleicht doch etwas schwierig.Dank „google“ weiß ich, daß diese Tierchen bei Nässe ertrinken... vielleicht sollte ich die Qualitäten des H2O doch nutzen – meine Erfahrung mit diesem Gerät sagt mir, daß die Umwandlung meiner Matratze in ein Wasserbett binnen Sekunden von Statten gehen würde... Hinderlich an der Durchführung dieser Maßnahme ist jedoch sicherlich mein Mann! Ich hege den starken Verdacht, seine Begeisterung hierüber hält sich in äußerst überschaubaren Grenzen!Ich verwerfe also den Gedanken an ein Feuchtbiotop im Schlafzimmer und denke stattdessen enttäuscht über eine eventuelle Rückgabe meines Wasserspeiers nach!Im Zuge dieser Überlegungen betrachte ich mir diese horrende Rechnung etwas genauer: knapp 9 Euro „Bearbeitungsgebühr für das Überraschungsgeschenk“ (im Klartext: ich zahle 9 Euro dafür, daß mein Hausstaub nun elektrisch durch sämtliche Räume gequirlt wird!!), knapp 5 Euro für Verpackung (bei der Menge Kartons glatt geschenkt!), zuzüglich Versand und natürlich die Nachnahmegebühr... nicht zu vergessen sind die statt 14,95 Euro gleich 16 berechneten Euro für die Filter. Netto.Also jetzt werde ich aber sauer! Ich rufe die Nummer an, die sich auf der Rechnung befindet und stelle dabei – fortschreitend erzürnt - fest, daß Telecom mit der minütlichen Gebühr von unverschämten 1,50 Euro hier auch noch kräftig absahnt.

Durch diese Tatsache nicht wirklich milde gestimmt, fauche ich lange viereinhalb Minuten einen Computer an, der mich 7,50 Euro später zu einem jungen Mann durchstellt. In den darauffolgenden 13 Minuten Gesprächszeit (für mickrige 19,50 Euro!!!) festigt sich der Eindruck, an eine (geistlose) Wand zu sprechen. Immerhin erfahre ich, daß Hygieneteile - dazu zählt der Microfaseraufsatz auf dem Dampfkopf  im Wert von ca. 10 Euro (das dürfte der teuerste Putzlappen meines Lebens sein!!) dem Rückzahlungsbetrag abgezogen werden, ebenso klärt mich die Wand auf, daß Porto- und Nachnahmegebühr leider nicht erstattet werden können!! Ich werde den Dampfer nicht zurückschicken. Und wenn es das letzte ist, was ich nicht tue!! Ich werde einen Weg finden, meine Milben auszurotten. Ich werde mir einfach vorstellen, Milben seien Teleshopangestellte. Ich werde sie einzeln mit meinem H2O andampfen und bei jeder einzelnen blanchierten und/oder ertrunkenen Milbe trinke ich ein Glas Sprizz. Ganz genüsslich! Und wenn ich diesen Megakater überleben sollte, verklage ich den Teleshop. Wegen abgebrühter Dampfplauderei. Oder so.  

 

Ihre Annabella Kolumna 

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