Gartenfreuden II
Was macht Ihr heimische Grün?? Derzeit grünt und blüht es allerorts. Wachstumswetter. Sonne, Regen, in ausgewogenem Wechsel. HERRLICH! („Herrlich“ wird im Übrigen von „Herr“ abgeleitet, was soviel aussagt wie „der Bedeutende“. Zumindest im Zusammenhang mit einem Garten durchaus ein passender Begriff!) Alle gerade frisch eingesetzten Pflänzchen sind noch (fast) wie gekauft, keine Fäulnis oder Dürre ist zu beobachten und auch Begriffe wie Rosenpilz oder Blattlaus lauern derzeit noch tief verborgen im Unterholz des Gärtnerhirns. Wachstumswetter läßt aber auch Unkräuter, Rasenbüschel (die grundsätzlich genau da wuchern, wo sie keiner haben will) und natürlich die allseits gedeihende Brennessel zu mächtigen Stauden heranwuchern. Wußten Sie, daß Brennessel prima helfen soll gegen die Platte (= haarloser Männerkopf) und für die Durchblutung der Haut unverzichtbar ist? Kenner raten dazu, sich – vorwiegend mit den älteren Stauden – selbst zu geißeln. (Oder Sie machen Ihrem Partner den Vorschlag, Ihnen dabei zur Hand zu gehen. Falls Sie gerade seine asiatischen Ziergräser fälschlicherweise zum englischen Rasen gekürzt haben, wird er das liebend gerne übernehmen!) Gesunde Gärtner, die den Heilkräften der Brennessel nichts abgewinnen können, haben mit der Vernichtung dieser äußerst wachstumsfreudigen Pflanze eine dauerhafte Aufgabe. (Die Folgen dieser Anstrengung könnten mit diversen Tränken und Salben aus Brennessel gemildert werden!) Dabei wäre doch jetzt die Zeit, das vorgezogene Gemüse an Ort und Stelle zu bearbeiten. In wenigen Wochen hat der enthusiastische Gartenfreak sowieso keine Zeit mehr dafür - wir erinnern uns: abfieseln der Rasenränder, Beet- und Flurbereinigung von insektiösen Einwanderern, usw. Eile ist angesagt, sonst werden Karotten, Kohlrabi und Gürkchen sich mit den Unkräutern vereinen und verwachsen, und letztlich unter selbigem verfaulen, verholzen und verwildern. Wer sich wirklich sinnvoll beschäftigen möchte, kann sich der strategischen Vernichtung des Löwenzahns widmen. Speziell dieser widerstandsfähige, eifrig sprießende Farbtupfer eines Gartens verdient besondere Aufmerksamkeit. Das Pflücken der Blüte zaubert dem bemühten Botaniker ein apartes, dunkles, erstaunlich haltbares Muster auf die Hand. Wer dies vermeiden möchte, der grabe seinen halben Garten um im Bemühen, das Ende der Löwenzahnwurzel dem Erdreich zu entreißen (jahrelange Erfahrung hat uns gelehrt: unterlassene Sorgfalt bei diesem Tun beschert uns dank rasanter Vermehrung der Pusteblume in Kürze die dreifache Pflanzenzahl!). Ganz unerwartet leistet hierbei eine besonders liebe Freundin des Gärtners gerne Hilfestellung: die kleine Wühlmaus. Einmal im Garten sesshaft geworden, schafft sie nahezu mühelos zahlreiche unterirdische Gänge, die dem fleissigen Gartenfreund das Umgraben erheblich erleichtern! Mit großem Appetit frisst sich das zarte Nagetier nach getaner Arbeit durch seinen abwechslungsreichen Speiseplan – vorwiegend bestehend aus den zarten Tiefwurzlern der frisch gesetzten Pflänzchen, die den Maifrost und die Schafskälte überlebt haben. Nicht im Menü enthalten: der Löwenzahn! Unterirdisches Leben in Ihrem Garten spricht für ein angenehmes Ambiente, das speziell von der Tierwelt neidlos geschätzt wird (in Einzelfällen ist auch mal ein Nachbar so freundlich, das ein oder andere Tierchen auf Ihre Grünflächen aufmerksam zu machen!). So sehen Sie es als Kompliment, wenn sich Ihr gepflegtes Wiesengrün über Nacht in eine kraterartige Mondlandschaft verwandelt hat! Maulwürfe sind sehr eigen mit der Wahl ihrer Niederlassungen, und nicht jeder hat die Ehre, auserwählt zu werden! Sollte besagter Nachbar mit einem breiten Grinsen von einer beachtlichen „Gastropoda“ in Ihrem Garten sprechen, so seien Sie alarmiert! Er versucht nicht, Sie zu einem rauschenden Gartenfest zu überreden. Vielmehr ist er über eine Ansiedlung von Nacktschnecken in Ihrem Garten bestens informiert! Zugegeben: ein absoluter Hingucker sind die hinreißenden Muster schon, die die Nachtwanderungen dieser vermehrungsfreudigen Zwitter-Tierchen (hallo Kinder – Aufklärungsstunde...J!!) vorzugsweise auf Blumentöpfen und Trögen hinterlassen. Die glitschigen Schätzchen sind in ihrer Fresswut äußerst kreativ und sorgen immer wieder für abwechslungsreiche Vielfalt der morgendliche Gartenüberraschungen. Dabei reicht die Pallette von gleichmäßig durchlöcherten Blättern über abgefallene Blütenköpfe bis hin zum blatt- und blütenlosen Stengel, der als Solitär in einem großen Pflanzgefäß silbrig glänzend in der Morgensonne auf Sie wartet!
Wer solche Fremdgestaltung des heimischen Gartens nicht schätzt, der ist mit „Zucht einer Frucht“ besser beraten. Voraussetzung hierfür ist eine große Liebe für mickrige Stämmchen, die sich nur mit aufopfernder Hingabe zu ausgewachsenen Obstbäumen entwickeln können. Ebenso ist das Einholen von fachmännischem Rat zum Thema „Baumschnitt“ sehr zu empfehlen, um nicht aus Unwissenheit die Wandlung eines jahrelang gehätschelten Baumes in eine bizarre Wüstenkaktee zu riskieren. Die mühevolle Aufzucht und Pflege schafft eine enge Verbindung zwischen dem Gärtner und seinem zukünftigen Obst. So verteidigt er im dritten Jahr nach der Pflanzung das einzige am Baum hängende Kirschenpaar mit Leib und Leben gegen Amseln, Katzen, Kinder und andere natürliche Feinde, steht bei schlechten Wetter mit Regenschirm über seinem Erstlingsobst (Kirschen mögen keinen Regen!) und denkt aufgrund seines triumphalen Erfolges über eine eventuelle Karriere als begnadeter Obstbauer nach. Gewisse Flexibilität im Punkto Wirkungskreis sollte jedoch jeder erfahrene Gärtner mitbringen, da gerade beim Umgang mit Pflanzen oft unvorhergesehene Ereignisse zum Umdenken zwingen. So steht Mutter Natur dem begeisterten, aber leicht überforderten Obstgärtner (wieviel Regenschirme kann ein einzelner Mensch halten??) hilfreich zur Seite, indem ein kurzer, aber heftiger Hagelschauer die sommerliche Erntearbeit minimiert, und auch das Entsaften des Obstes bleibt damit überschaubar! (Wenn Sie schon vor der Ernte Ihre selbsteingekochten Säfte angepriesen haben, vergessen Sie nach dem Besuch im Getränkemarkt nicht das Umfüllen in neutrale Flaschen oder zumindest das Abkratzen des Etiketts auf der Kaufflasche!!) Erfahrungen dieser Art können in manchen Fällen zu leichten bis mittelschweren Obstallergien aufgrund gartentraumatischer Ereignisse führen.
Der Mann meiner Freundin hat auch eine Obstallergie. Neuerdings. Speziell gegen Erdbeeren. Und das nur, weil sie neulich in einer Kurve ins Schleudern kam, wodurch ihr Auto einen Erdbeerstand streifte und sie – behindert durch die wild auf die Windschutzscheibe klatschenden Erdbeeren – nach dem Umfahren eines Briefkastens auf die andere Strassenseite geriet, und schließlich – mit einem zweiten, dort plazierten Erdbeerstand – in ein angrenzendes Erdbeerfeld schlitterte, wo sie schließlich inmitten der Stauden zum Stehen kam.
Allein der Geruch von Erdbeeren erzeugt seitdem bei ihrem Mann eine intensive rote Gesichtsfarbe. Man könnte sagen, fast erdbeerrot....
Und noch einer zum Schluß:
Auf der Rennbahn. Ein Mann sammelt Pferdeäpfel ein. Frägt ihn ein Beobachter, was er damit will. Sagt der Sammler:“ Die streu ich zu Hause über meine Erdbeeren!“ „Ach,“ sagt der andere. „ Wir nehmen da immer Zucker!“
... jedem das Seine!!!! Ihre Annabella Kolumna
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