Bayer oder Nichtbayer
(angelehnt an eine Geschichte von Toni Lauerer)
Sprechen Sie Bayerisch? Dieser Dialekt ist ja bekanntlich sehr umstritten, ebenso die Frage, ob man (oder Frau) es sprechen soll/darf/kann. (Stellen Sie sich mal eine Dame in eleganter Kleidung vor, perfekte Figur, eine umwerfende Erscheinung. Ein Sahneschnittchen. Sie lächelt Sie mit ihrem engelsgleichen Gesicht hinreißend an und dann schlägt sie Ihnen kraftvoll an den Oberarm und sagt „jo griassdi nocha, weij gehjts denn allaweil?“)
Es wird genau unterschieden zwischen Ober- und Niederbayerisch, zwischen gepflegtem und dem derbem Bayerisch, wobei es für den, der es nicht spricht, im Grunde nicht relevant ist, was genau er nicht versteht. Besonders auffallend sind solche Sprachbarrieren, wenn bei Großveranstaltungen wie zum Beispiel einem Dorffest im schönen Oberbayern verschiedene Kulturkreise aufeinandertreffen. Also ein Bayer und ein Nichtbayer. Der Bayer gilt von Natur aus eher als wortkarg. Zumindest so lang, bis er auf einem eben solchen Dorffest durch die ein oder andere Mass enthemmt wurde und dadurch geradezu suchend nach einem Gesprächs-kontakt durchs Bierzelt streift. Und dabei auf einen allein am Tisch sitzenden Nichtbayern stößt.
Bayer: Is do no frei?
Der Nichtbayer reagiert nicht.
Bayer: (energisch)...Hääää!!
Nichtbayer: (erschrocken) Ja bitte?
Bayer: Ob do no frei is!
Nichtbayer: Meine Gattin ist soeben zur Toilette gegangen, kommt aber gleich wieder.
Bayer: Awas, bei de Weiba dauerts jo eh oiwei länga,weis im Stej ned kinnand.
Nichtbayer: Wie bitte?
Bayer: Die Weiber können nicht im Stehn.
Nichtbayer: (sichtlich verlegen) Ach. Hahaha...
Bayer: Nocha sitzame aweng hera zu Dia.
Nichtbayer: Bitteschön.
(Zur vorbeikommenden Bedienung) Äh, Fräulein, bitte ein halbes Hähnchen und ein Bier.
Bayer: Mia aa a Mass!
(Zum Nichtbayer) A Fräulein is dees scho long nimma. Des is scho a oide Scherm!
Nichtbayer: Wie bitte?
Bayer: Ah, nix. Is schoo recht! Jo backst ebba an hoibadn Gickal?
Nichtbayer: Wie bitte??
Bayer: Packst Du etwa einen halberten Hahn?
Nichtbayer: Ja! (lächelt) und ein Moas Bier, wie Sie hier in Bayern sagen. Haha.
Bayer: (ernst) Des is ned zum Locha! Des is nämme a Kreiz! Bies dassd schaugst, host vier, fimf
Mass einizong und nocha an drum Zintara. Oiso oan in da Läätschn.
Nichtbayer: Wie bitte???
Bayer: Es ist nicht zum Lachen, weils ein Kreuz ist. Bis dass Du guckst, hast Du vier, fünf Liter
Getrunken und einen drum Zünderer. Einen Rausch im Gesicht.
Nichtbayer: Ach so, ja. Ach, da kommt mein halbes Hähnchen. (zur Bedienung) Vielen herzlichen Dank.
Bayer: An guadn. (nach kurzer Pause) Lus: i kenn oan, der wennan Gickal frisst, nocha bleibt nix iwa.
Nichtbayer: Was bitte sagten Sie?
Bayer: Da Fons. Fons hoasta.
Nichtbayer: Wie bitte????
Bayer: (schüttelt den Kopf) Meiomei. Alfons heißt er.
Nichtbayer: (verzweifelt) Wer heißt Alfons?
Bayer: Jo der, do wou nix iwableibt, wannderan Gockl frisst.
Nichtbayer: (depremiert) Ich verstehe Sie leider nicht. Beim besten Willen.
Bayer. (schüttelt wieder den Kopf) Woast scho, bei Dia doutma sefei hort! Bist Du scho a Deitscha?
Nichtbayer: Also hören Sie mal! Ich komme aus Wanne-Eickel!
Bayer: Aaaha!! Hammas scho! Hob imas doch glei dengt! Gfolltsda nacha bei uns in Deitschland?
Nichtbayer: Selbstverständlich gefällt es mir in Deutschland. Warum fragen Sie mich das?
Bayer: Da, de Boana, de wos dudo herlegst, de frisst da Fons. Do bleibt vo dem Gickal nix iwa. Da
Fons, der haud de ratzebutz wegga. Joo, da Fons. Des is scho sooana, mei Liawa!!
Nichtbayer: Es tut mir wirklich leid, aber ich verstehe kein Wort von dem, was Sie sagen.
Bayer: Segst, drum bleib i oiwei dahoam. Dahoam is dahoam. Im Auslond bist a oame Sau!
Nichtbayer: (resigniert) Wie bitte??
Bayer: Loss bleim, des hod koan Sinn mit dia. Ejtz kimmt eh dei Oide vom Biesln zruck. Oisonocha,
Pfiads eich, olle zwoa. An scheena Ualaub no bei uns in Deitschland, gei.... Pfiads eich good.
Unterhaltungen dieser Art wird es bei uns in Sankt Wolfgang vielleicht auch bald geben. Unser Dorffest steht ja quasi vor der Tür. Da bekommt doch die Bezeichnung „Kultur-Zelt“ auch gleich wieder eine andere Bedeutung, finden Sie nicht?
In diesem Sinne... Ihre Annabella Kolumna
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