Gartenfreuden

Gartenfreuden

 

 

Ist Ihnen schon aufgefallen, daß des Morgens draußen wieder Vögel singen?

Zugegeben, das Wetter ist noch nicht entsprechend, explizit in diesen Tagen versinken die ersten Grashalme wieder unter einer dicken Schneeschicht.

Doch bald scheint die Sonne, und dann erblüht das Herz des Gärtners. Er sieht nicht die angematschte Schneedecke auf dem graubraunen niedergedrückten Rasen, sieht nicht die karge und manchmal etwas trostlose Gartenlandschaft. Nein. Der Gärtner sieht schon Sprossen, Keimlinge und Triebe, wo der Ottonormalverbraucher, der Supermarktsalateinkäufer, nur tristes Geäst erblickt. Der Gärtner sieht schon alles blühen und wähnt sich bereits in einem duftenden Blütenmeer, einem perfekt gepflegten Traumgarten auf seiner neuen Gartenbank sitzend... Dabei übersieht er jedoch vollkommen, daß gerade jene Gartenbank ein Ort der Illusion ist.  Die Option, sie als Ruhebank zu nutzen, entfällt im Augenblick des Aufstellens. Abgesehen davon, daß sie nun jährlich neu gestrichen werden muß, kann der fleißige Gärtner darauf nicht entspannen, denn kaum sitzt er, fällt ihm hier Unkraut auf, da ein Blatt... und er wuselt sogleich los, um den perfekten Garten noch perfekter zu gestalten. Ach Gott.

Perfekter Garten! Ebenfalls eine Illusion.  Grüner englischer Rasen. Da freuen sich Generationen von Maulwürfen!!! Genau betrachtet ist ein Garten ein Eldorado für Parasiten, rollige Katzen aus der Gegend und ein ewig dauernder Streitpunkt zwischen den Nachbarn.  Egal, ob die Tomaten hier besser, größer runder sind, ob der Grill zu sehr qualmt oder der Efeu das Fenster des Schuppens zuwuchert... Friede ist ein Wort, das der Gärnter nicht kennt. Vom Inneren reden wir erst gar nicht.

Gärteln, also Unkraut- und Schädlingsvertilgung, um Blumen, Gemüse und Früchte für Vögel (das sind die, die wir im Sommer verzweifelt aus unseren Gärten jagen und sie im Winter mit Vogelhäuschen und Futter wieder anlocken!!) und andere Schmarotzer großzuziehen, ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven!! Allein die kleinen wirbellosen Tierchen namens Ameisen! Davon hätten wir rund 10.000 Arten, aussichtslos, auch nur eine davon im Ansatz erfolgreich zu bekämpfen. Für eine Tote kommen 10 neue zum Abtransport.  Aussichtsloses Unterfangen!

Ähnlich verhält es sich mit Nacktschnecken. Anders wie unsere Kinder vertilgen diese Schleimspurler Unmengen von mühsam gezogenem Bio-Salat, OHNE dazu gezwungen zu werden! Mal ehrlich: wer will seinem Nachbarn nach solch niederschmetternden Erlebnissen verübeln, daß er zwischendurch im Großmarkt ernten geht und damit angibt wie eine Steige Affen?? Wenn die zweite Pflanzung der verfressenen Raupenschaft und Konsorten zum Opfer gefallen ist, holt sich der ehrgeizige  Gärtner (heimlich) Anregung und nicht selten (heimlich) Ersatzpflanzen im Gewächshaus, verbringt etliche verkaufsoffene Sonntage in Gärtnereien und der Pflanzabteilung bei Obi – der einzige Ort, wo Geld auf Bäumen wächst – und setzt gedanklich bereits all die perfekten Stauden und  wohlgewachsenen Bäume – der Perfekte-Garten-Traum nimmt wieder Gestalt an.... Solange das Grünzeug in der Gärtnerei steht... ein wirklicher Traum! Kaum sind jedoch die grünen Wunder gekauft, beginnt das Sterben!

Unabhängig davon, ob das Pflänzchen eine einjährige Pflanze ist oder nicht. Ist doch eh nur Augenwischerei. Bei einjährigen Pflanzen weiß der euphorische Gärtner wenigstens gleich, woran er ist und fällt nicht im nächsten Jahr in ein tiefes Loch (nicht selbst gegraben!), weil sein Garten mehr einem Riesenkompost als einem Paradis anmutet!! Mehrjährige Pflanzen (die auch nur im ersten Jahr blühen, weil der Dünger der Verkaufsgärtnerei nachwirkt) sind Pflanzen, die – hätten sie überlebt – Jahr um Jahr blühen würden – theoretisch!! - es aber partout nicht tun. Die Gründe dafür sind meist unergründlich.... 

So manches Sumpfgras erinnert nach einigen Wochen in Privatbesitz eher an eine staubige Wüstenpflanze, ein Benjaminus Ficcus einmal zu kalt, zu viel, zu wenig gegossen, ein falscher Windhauch und die Blätter sind braun (und jetzt schreien Sie ihn dazu mal an!! Dann rieselt es kräftig und der Benjaminus ist ein blattloses dürres Gerippe ohne Aussicht auf Überleben!!) und was draussen von Läusen und Schnecken und anderen Gartenbewohnern verschont bleibt, schaffen die Kinder mit einem gezielten Schuß beim ausgelassenen Ballspiel im heimischen Grün! Das Gärtnerherz verkrampft sich bei solchen Vorkommnissen... vielleicht ein Grund, warum so manch einer zu einem pflegeleichten Steingarten umdisponiert hat. Pflasterfirmen haben schon so manches Gartenparadis in eine überdimensionale Terrasse verwandelt. Löst das Ameisenproblem weitgehend, Schnecken ist es auch zu warm und der Hobbygärtner wird so vor dem bevorstehenden Herzinfarkt bewahrt...

 

Und schließlich ist ein Töpfchen mit Margeriten  vom Aldi neben einem Bottich mit Lidl-Geranien auch was hübsches!!!! Man kann mal mit den Kindern ins Schwimmbad fahren, weil es keinen Beet gibt, das entunkrautet werden muß, keine unzugänglichen Rasenränder, die bei Blutshitze abgefieselt werden müssen und auch keine Sträucher, die als Gourmetrestaurant für sämtliche Amseln im Landkreis bekannt sind!

 Weiterer angenehmer Nebeneffekt: diese Variante des Gartens läßt auch mal die Zeit, kulturell tätig zu werden und dem Botanischen Garten in München einen Besuch abzustatten – kritisch, versteht sich, aber schließlich muß man ja wissen, wie es hätte sein können, wenn man gewollt hätte!!

Und wußten Sie, daß ein original englischer Zierrasen – dicht wie ein grüner Teppich, eben und samtig weich - über dreihundert Jahre lang jeden Tag geschnitten werden muß, um diesen Namen zu tragen?

Da wollen wir doch mal hoffen, daß wir DIESEM  Gärtner nicht bei Nacht begegnen...

 

 

                                                        Ihre Annabella Kolumna

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